Schöne, neue Urlaubswelten

Digitalisierung im Tourismus kann viel bewirken. Hier verstärkt sie das Urlaubserlebnis, dort sorgt sie für mehr Akzeptanz, da erhöht sie die Effizienz. Vor allem aber macht sie die Branche fit für die Zukunft. Vier Beispiele aus den bayerischen Urlaubsregionen.

Mit mobilen VR-Brillen die Münchner Stadtgeschichte entdecken
München, durch die VR-Brille betrachtet
München, durch die VR-Brille betrachtet © Gert Krautbauer

Neuland in Sicht

Ein Reiseleiter, der alle Jahres­zahlen auswendig kann – schön und gut. Aber was ist das schon gegen das Gefühl, selbst in die Vergangenheit einzutauchen? Den Münchner Odeonsplatz zur Barockzeit zu erleben, ein Ritterturnier auf dem Marienplatz zu besuchen und durch den Wintergarten Ludwigs II. auf dem Dach der Residenz zu spazieren? All das ist bei den Virtual-Reality-gestützten Stadtführungen möglich, die TimeRideGO! seit Mai 2022 in München anbietet. Bei dem 90-minütigen Rundgang durch die Altstadt haben die Teilnehmer*innen mobile VR-Brillen dabei, durch die sie an historischen Originalschauplätzen ein München sehen, wie es früher war. Die 360-Grad-Rekonstruktionen entstanden auf der Grundlage historischer Quellen, Gemälde, Fotografien und Filmaufnahmen und begeistern nicht nur Gäste, sondern auch die Münchner*innen. Merke: Eine Zeitreise ist auch für Einheimische ein Trip in echtes Neuland.

Parkplatz in Füssen im Allgäu
Sensorik ermöglicht Auslastungsprognosen und hilft den Gästen bei der Planung
Sensorik ermöglicht Auslastungsprognosen und hilft den Gästen bei der Planung © AdobeStock

Qualitätsmesser

Ganz schön smart: An beliebten Parkplätzen in Füssen – wie zum Beispiel dem Parkplatz am Strandbad Weißensee – werden in den nächsten Monaten Sensoren installiert, mit denen die Auslastung und damit der touristische „Druck“ gemessen wird. Denn der erreicht speziell an schönen Sommerwochenenden, wenn alles in die Berge und zum Baden strebt, gerne mal kritische Höhen, mit nega­tiven Folgen für die Aufenthaltsqualität der Gäste und die Lebensqualität der Einheimischen. „Der Lebensraum Füssen muss für alle funktionieren, und dazu brauchen wir digitale Lösungen“, sagt Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier. Die Messdaten fließen in das Forschungsprojekt AIR (siehe auch auf S. 36), das smarte Prognosemodelle entwickeln und den Gästen damit bei der Tourenplanung helfen soll, noch bevor sie in Füssen mit laufendem Motor im Stau feststecken. So sinnvoll ist Sensorik!

Mit Augemented Reality auf den Spuren der Hohenzollern
Dreiherrschaftsbrunnen in Fürth
Die App kennt seine Geheimnisse: Dreiherrschaftsbrunnen in Fürth © Florian Trykowski

Hohenzollern in AR

95 Kilometer lang ist der Erlebnisradweg Hohenzollern, der zwischen Nürnberg und Ansbach romantisch zwischen Orten mäandert, in denen die fränkische Linie des berühmten Grafengeschlechts über Jahr­hunderte hinweg Geschichte geschrieben hat – die Nürn­berger Burg gehört dazu, das Kloster Langenzenn, die Cadolz­burg. Eine Radreise, die dank der Hohenzollern-Radweg-App auch zum digitalen Erlebnis wird. Augmented Reality (AR) macht’s möglich, dass Kirchen und Schlösser als 3D-Modelle erlebt werden können, dass fürstliche Privat­gemächer in der 360-Grad-Perspektive sichtbar werden, historische Figuren zum Leben erwachen und die Aussicht aus schwindeligen Kirchturm­höhen selbst dann möglich ist, wenn man in Wirklichkeit auf dem Fahrradsattel sitzt. Die App war übrigens das erste touristische AR-Entwicklungsprojekt weltweit. Die alten Grafen hätten ihre Freude gehabt.

Rachel Wanderung, Blick auf den Rachelsee
Die Wandernadel-App
Kennt jede Tour: Die Wandernadel-App © Ondrey Vasak

Digitale Wandernadel

Spiegelau im Bayerischen Wald gehört zu den Pilotgemeinden für das Modellprojekt „Digitales Dorf“. Ziel: Durch digitale Technologien die ländliche Lebensqualität zu verbessern und wertvolle Impulse zu setzen. Die Digitale Wandernadel ist eine der vielen bereits um­gesetzten Ideen – und macht richtig Spaß: Als Ergänzungs-App zur digitalen Wanderkarte der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald prämiert sie stramme Wandererwaden. Es reicht, die ausgewählte Tour auf dem Smartphone zu speichern und sich dann an festgelegten Wegpunkten in die App einzuloggen. Die speichert unbestechlich die zurückgelegte Strecke und vergibt je nach Zahl der absolvierten Touren irgendwann die digitale Wandernadel in Bronze, Silber und Gold. Auch ein Facebook-Post ist vorgesehen, für alle, die ihren Wandererfolg gerne teilen möchten. Dazu gibt’s eine Urkunde per Mail – und für Old-School-Wandersleute einen echten Pin zum Anstecken.