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Kathrin Klosa
Marktforschung
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Urlaubsplanung in der Krise – müssen wir uns jetzt Sorgen machen?

Müssen wir uns in Bezug auf die Urlaubsplanung ernsthafte Sorgen machen? Eine, wie ich finde, berechtigte Frage. Dazu werfen wir unter anderem einen Blick auf die Ergebnisse der Reiseanalyse, die im Mai jeden Jahres die Menschen in Deutschland zu ihrer Urlaubsplanung für den Rest des Jahres befragt.

05.08.2022
Kathrin Klosa
Lesezeit ~5 Minuten

Urlaub unter Krisen- und Kriegsbedingungen 

Eine Zeitreihe ab dem Jahr 1955 der Reiseanalyse zeigt eindrucksvoll, dass die Reiseintensität der Deutschen kontinuierlich gewachsen ist – trotz zahlreicher Krisen in der ganzen Welt wie dem Vietnam-Krieg, 9/11 oder der Finanzkrise 2008. Die Deutschen sind trotz allem immer häufiger in den Urlaub gefahren – erst die Pandemie hat diesen Trend jäh gestoppt und zu einem Einbruch der Reiseintensität geführt. Doch auch das lag nicht an der gesunkenen Lust, dem fehlenden Geld oder einem Zeitmangel zu verreisen, vielmehr waren Urlaubsreisen schlicht nicht möglich – wir haben eine Angebotskrise und definitiv keine Nachfragekrise gesehen.

Grafik zu Voraussetzungen für Urlaub im Jahr 2022

Urlaub und das liebe Geld

Die Reiseanalyse befragt die Menschen regelmäßig zu ihrer Einschätzung sowohl der persönlichen als auch der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Hatten sich diese Werte bis Januar 2022 unter dem Eindruck von Corona weitgehend stabilisiert und sogar verbessert, sehen wir bei der Befragung im Mai diesen Jahres eine deutlich düsterere Einschätzung für beide Parameter.

Trotzdem zeigen die Indikatoren für die Reisevoraussetzungen – Geld, Zeit, Lust – einen nach wir vor positiven Trend: 63% haben das Geld im Jahr 2022 zu verreisen, 67% der Befragten finden Zeit dafür und 57% verspüren Reiselust. Und auch die Urlaubsplanungen sind im Mai 2022 weitaus konkreter als in den beiden Jahren vorher: 44% haben bereits ein festes Reiseziel und weitere 19% sind sich sicher zu verreisen, wissen nur noch nicht genau wohin.

Der Blick auf die Konsumprioritäten bestätigt die Wichtigkeit der Reisen. Auch dieses Ranking kennen wir schon und weder die Inflation noch die Angst vor einem sich ausbreitenden Ukraine-Konflikt haben die Konsumprioritäten der Deutschen verändert: Geld für Urlaubsreisen steht auch bei der Befragung im Mai 2022 ganz oben auf Platz zwei, nach dem Budget für Lebensmittel.

Eine GfK-Veröffentlichung vom 21. Juli 2022 bestätigt dieses Ergebnis eindrucksvoll: Die hohe Inflation verändert das Konsumverhalten der Menschen spürbar – lediglich beim Thema Reisen wird in diesem Sommer noch nicht gespart. Während Alltagsprodukte wie Lebensmittel oder Körperpflegeprodukte einen starken Mengenrückgang verzeichneten, entwickelte sich die Reisebranche komplett gegensätzlich. Die Buchungszahlen für private Urlaubsreisen sind in der aktuellen Sommersaison vergleichbar mit 2019, also vor der Pandemie, und gehen teils sogar darüber hinaus.

Konsumprioritäten der Deutschen: Urlaub, Freizeit, Wochenendtripps

Die Menschen entwickeln Urlaubsstrategien 

Trotz der gezeigten Resilienz der Deutschen hinsichtlich ihres Reiseverhaltens unter Krisen- und Kriegsbedingungen, beeinflussen diese die Urlaubsentscheidungen – wie zum Beispiel die Wahl des Reiseziels: 19% der Reisewilligen würden ohne Coronabedingungen ein anderes Urlaubsziel wählen, 17% ohne den Ukraine-Krieg und 14% geben an, aufgrund der gestiegenen Kosten ein alternatives Reiseziel zu wählen.

Die am häufigsten genannten Kriterien für Reisen in diesem und im nächsten Jahr sind finanzieller Art: Geringe Reisekosten nennen 29% der Befragten und großzügige Stornobedingungen 25% als wichtigste Reisekriterien, gefolgt von den hygienischen Bedingungen am Urlaubsort, der Möglichkeit zur individuellen Anreise sowie die ausreichende Entfernung vom Kriegsgeschehen. Interessante Randnotiz an dieser Stelle: Nur 12% der Befragten geben an, auf eine geringe Umweltbelastung durch ihre Reise achten zu wollen.

Urlaub in Bayern: Vieles spricht dafür

Die Deutschen haben – wie immer – Lust zu verreisen und ihre Anpassungen bei den Urlaubsstrategien sowie die betrachteten wichtigsten Reisekriterien sprechen stark für einen Urlaub im Inland. Hinzu kommen zunehmende Herausforderungen bei der Anreise, die Hitzewelle, Waldbrände und der Wassermangel in den beliebtesten Zielen im Ausland, Italien und Spanien. Und so ergeben sich für Bayern neben den derzeitigen Herausforderungen durchaus auch Chancen bezüglich der künftigen Urlaubsnachfrage.

Die Übernachtungszahlen, die uns aktuell bis einschließlich Mai vorliegen, weisen bereits in diese Richtung. So hatten wir im Mai 2022 mehr Übernachtungen von inländischen Gästen als im Rekordjahr 2019. Und auch die internationalen Gäste kommen allmählich wieder nach Bayern.

BayTM Marktforschungsbroschüre 2022
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