Der Blaue Land Bus – Erfolgsmodell für flexible Mobilität im ländlichen Raum

Mobilität 

Gute Mobilität ist ein Schlüssel zur Lebensqualität und das A und O, um schnell und flexibel ans Ziel zu kommen – insbesondere in ländlichen Regionen. Ein Good Practice-Beispiel dafür ist das „Blaue Land Bus“-Konzept: Eine smarte, umweltfreundliche und kostengünstige Ergänzung zum klassischen ÖPNV, die Gästen und Einheimischen dabei hilft, sich auch ohne eigenes Auto bequem fortzubewegen und die Highlights der Region flexibel zu erkunden.

Wie alles begann: Die Entstehung des Murnauer Ortsbusses

Vor der Einführung des „Blauer Land Bus“-Konzepts begann im Jahr 2020 die Geschichte des „Murnauer Ortsbusses“, als die Gemeinde Murnau nach einer innovativen Lösung für den innerörtlichen Verkehr suchte. Die Firma Omobi präsentierte daraufhin ein flexibles, bedarfsgerechtes, innerörtliches On-Demand-Konzept, das die klassischen Linienbusse ergänzt und die lokale Mobilität verbessert. Das Konzept hat die Gemeinde überzeugt und so wurde mit einem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats der Grundstein für den „Murnauer Ortsbus“ gelegt.

Am 1. Juli 2020 startete der Pilotbus in Murnau – eine Herausforderung mitten in der Corona-Pandemie. Aber die Resonanz war beeindruckend: Die Murnauer Bürgerinnen und Bürger haben das neue Mobilitätsangebot sehr schnell angenommen. Bereits im ersten Monat nutzten über 1.000 Fahrgäste den neuen Ortsbus. Dieser Erfolg führte zu einer Testphase mit erweiterten Fahrzeiten an den Wochenenden. Innerhalb von neun Monaten wurde bereits der 10.000. Fahrgast befördert. Und die Fahrgastzahlen stiegen – trotz Pandemie – kontinuierlich weiter.

Erweiterung zum Mobilitätskonzept „Blauer Land Bus“

Aufgrund der zahlreichen positiven Rückmeldungen wurde das On-Demand Busangebot schnell weiter ausgebaut. Ab Juli 2021 schlossen sich auch die Nachbargemeinden Seehausen und Riegsee mit einem zweiten Bus an das Ortsbus-System an. Gemeinsam mit dem Landratsamt Garmisch-Partenkirchen wurde zeitgleich weiter an einer gemeindeübergreifenden Lösung gearbeitet. Noch im gleichen Jahr konnte so bereits der 25.000. Fahrgast befördert werden. Damit wurde das On-Demand Bussystem in Murnau zu einem der erfolgreichsten Angebote im ländlichen Raum in ganz Deutschland.

Und bereits Ende 2022 fiel der Beschluss, das System auf das gesamte „Blaue Land“ auszuweiten. Im November 2024 startete schließlich der „Blaue Land Bus“, der seitdem die Gemeinden Murnau, Riegsee, Seehausen, Uffing, Ohlstadt, Spatzenhausen, Schwaigen, Obersöchering und Eglfing verbindet – täglich von 7:00 bis 20:00 Uhr.

Mehr Flexibilität, weniger Emissionen: Die Vorteile des On-Demand-Systems   

Die Qualität des Öffentlichen Nahverkehrs hat sich durch das Rufbussystem – vor allem für Fahrten in abgelegenere Orte – erheblich verbessert. Denn als flexible Alternative zum klassischen Busverkehr kommt es ohne feste Fahrpläne oder Haltestellen aus und kann telefonisch oder per App bestellt werden. So kommen Fahrgäste unglaublich flexibel von A nach B – und das zu einem geringen Preis. Das Angebot ermöglicht es dadurch sowohl Einheimischen als auch Reisenden, u.a. Sehenswürdigkeiten, Freizeitangebote und Gastronomiebetriebe flexibel zu erreichen und trägt so auch zur touristischen Attraktivität der ländlichen Destination bei.

Auto mit der Aufschrift Omobi und eine Hand, die ein Smartphone hält
© Omobi
Das Rufbussystem funktioniert einfach und schnell via App oder Telefon.

Durch den Einsatz des „Blauer Land Busses“ konnte auch – in Zusammenarbeit mit dem RVO – das öffentliche Fahrplanangebot optimiert werden. So wurden Fahrten, die auch durch den „Blauer Land Bus“ übernommen werden können, aus dem Fahrplan gestrichen und dafür an anderer Stelle ausgebaut, wo es bislang entweder kein Angebot gab oder die Taktung optimierungsbedarf hatte.

Gleichzeitig trägt das On-Demand-System durch die Bündelung der Fahrten mittels einer intelligenten Software zur Reduktion von Leerfahrten und Abgasemissionen bei. Denn diese berechnet stets die idealen Routen und versucht, die gewünschten Fahrten optimal zu verbinden. Das ist nicht nur effektiv, sondern auch umweltfreundlich.

Wer nutzt den Blauer Land Bus – Einheimische oder Gäste?

Ob mehr Einheimische oder Gäste den „Blauer Land Bus“ nutzen, lässt sich nicht genau sagen, da die Registrierung lediglich per E-Mail oder Handynummer erfolgt. Doch Erfahrungswerte aus Gesprächen mit Fahrgästen und die Rückmeldungen der Busfahrer zeigen: Das Angebot wird vor allem von Einheimischen genutzt – mit steigender Tendenz bei Gästen, insbesondere in den Sommermonaten. Viele Gäste schätzen den Service, da sie sich während ihres Aufenthalts flexibel und unkompliziert fortbewegen können, ohne auf ein eigenes Auto angewiesen zu sein. Gerade in ländlichen Regionen ist das oft nicht selbstverständlich. Zudem entfällt die oft mühsame Parkplatzsuche, was den Aufenthalt im Blauen Land noch entspannter macht. Für einige bedeutet der On-Demand-Bus sogar eine völlig neue Form der Mobilität, die ihnen wieder mehr Unabhängigkeit und soziale Teilhabe ermöglicht.

Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung

Die Einführung des „Blauer Land Busses“ war jedoch kein Selbstläufer – es mussten einige zentrale Herausforderungen gemeistert werden, um das Mobilitätskonzept erfolgreich auf die Straße zu bringen.

  • Politische Zustimmung und Gremienbeschlüsse:

Ein entscheidender Schritt war die Zustimmung der politischen Entscheidungsträger. Ohne das Votum der Gemeinderäte und des Landkreises hätte das Projekt nicht realisiert werden können. Die Einführung neuer Verkehrskonzepte ist oft mit Skepsis verbunden, da sie bestehende Strukturen verändern und finanzielle Ressourcen binden.

  • Finanzierung und Fördermittel:

Ein zukunftsweisendes Mobilitätsangebot braucht nicht nur eine gute Idee, sondern auch eine solide finanzielle Basis. Ohne Fördermittel wäre der Blaue Land Bus nicht umsetzbar gewesen. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen musste daher frühzeitig geeignete Förderprogramme identifizieren und erfolgreich beantragen, um die Finanzierung langfristig zu sichern.

  • Rechtliche Rahmenbedingungen und Aufgabenträgerschaft:

Ein weiteres Hindernis bestand darin, dass der öffentliche Nahverkehr üblicherweise in den Aufgabenbereich des Landkreises fällt. Um den Murnauer Ortsbus realisieren zu können, musste die Gemeinde Murnau die Aufgabenträgerschaft für den ÖPNV selbst übernehmen und dabei alle rechtlichen Vorgaben des Personenbeförderungsgesetzes einhalten. Für das „Blauer Land Bus“-Konzept hat die Gemeinde Murnau die Aufgabenträgerschaft wieder an den Landkreis Garmisch-Partenkirchen zurückzugeben.

  • Marketing- und Informationsmaßnahmen:

Damit der „Blauer Land Bus“ von der Bevölkerung angenommen wird, war auch eine gezielte Informations- und Marketingstrategie des Landkreises entscheidend. Denn nur wenn die Menschen ein Angebot verstehen und dessen Vorteile erkennen, nutzen sie es auch. Von Anfang an wurde daher auf eine intensive Öffentlichkeitsarbeit gesetzt: Die lokale Presse, Social Media, Flyer und Informationsveranstaltungen machten das Konzept bekannt. Besonders wichtig war es, Unternehmen, Vereine und öffentliche Einrichtungen direkt einzubinden, um die Vorteile des flexiblen Mobilitätsangebots aufzuzeigen.

  • Stetige Optimierung und Weiterentwicklung des Angebots:

Im Sommer 2022 wurde deutschlandweit das 9-Euro-Ticket eingeführt – auch der „Murnauer Ortsbus“ war in dieses Angebot integriert. Das günstige Ticket sorgte für einen enormen Fahrgastzuwachs, da viele Menschen erstmals die Möglichkeit nutzten, den On-Demand-Bus auszuprobieren. Die positiven Erfahrungen führten dazu, dass viele von ihnen auch nach dem Aktionszeitraum auf das Angebot zurückgriffen. Im Februar 2023 wurde zudem die alte Ortsbus-App durch eine neue, verbesserte Version ersetzt. Das Update macht die Buchung einfacher, schneller und intuitiver, sodass seitdem noch mehr Menschen das Angebot nutzen. Auch der „Blauer Land Bus“ ist seit seiner Einführung mit dem Deutschlandticket nutzbar.

Vom Konzept zur Nutzung: Wie nachhaltige Mobilität gelingt

Sowohl Einheimische als auch Gäste profitieren von einer flexiblen und nachhaltigen Mobilität im ländlichen Raum –  sie ist daher auch ein entscheidender Faktor, um den Tourismus nachhaltig zu stärken. Denn ein gut durchdachtes, vielseitiges Verkehrskonzept macht touristische Angebote auch für Gäste ohne eigenes Auto leichter erreichbar und stärkt damit die Attraktivität der Region und deren touristische Zukunftsfähigkeit.

Ein nachhaltiges Verkehrskonzept ist aber nur dann erfolgreich, wenn es auch tatsächlich genutzt wird. Jeder investierte Euro in den ÖPNV ist nur dann gut angelegt, wenn das Angebot auch von der Bevölkerung angenommen wird. Wenn Mobilitätslösungen eingeführt werden, um einen Beitrag zum ÖPNV zu leisten, muss auch sichergestellt werden, dass diese alltagstauglich sind.

Entscheidend für den Erfolg und die Akzeptanz bei der Bevölkerung ist neben einem bedarfsgerechten Konzept daher auch eine kluge Vermarktungsstrategie. Die richtige Kommunikation und Aufklärung sind essenziell. Bei großen Verbundprojekten wie dem „Blauer Land Bus“-Konzept übernimmt der Landkreis dabei eine zentrale Koordinationsrolle. Er bündelt die Kommunikationsmaßnahmen für alle teilnehmenden Gemeinden, wodurch diese auch finanziell entlastet werden. Eine zentralisierte Strategie gewährleistet dabei nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch ein einheitliches Erscheinungsbild und konsistente Botschaften. Dadurch steigt die Wiedererkennbarkeit des Angebots, was maßgeblich zur breiten Akzeptanz und intensiven Nutzung des Mobilitätskonzepts in der gesamten Region beiträgt.

Deshalb ist es wichtig, dass Kommunen sich nicht nur bei der Konzeption und Umsetzung, sondern auch bei der gezielten Vermarktung die richtige Unterstützung sichern – damit nachhaltige Mobilität nicht nur geplant, sondern auch gelebt wird.

Weitere Informationen: Der Blaue Land Bus; Blaue Land Bus I omobi

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