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Tiergärtnertorplatz in Nürnberg © erlebe.bayern – Gert Krautbauer
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Claudia Mitchell
Netzwerk- und Partnermanagement
Netzwerken

Städtetourismus in Bayern

Von der Pilotphase “Runder Tisch” zum Netzwerk Städtetourismus in Bayern: Gemeinsam in die Zukunft!

31.08.2021
Claudia Mitchell
Lesezeit ~6 Minuten

Im Frühjahr, mitten im Lockdown, durfte ich einen digitalen Runden Tisch „Städtetourismus in Bayern“ ins Leben rufen. Damit wollten wir den Städtepartnern eine Plattform zum Austausch bieten, da diese extrem von der Pandemie betroffen waren. Mit Hilfe der vier Regionalverbände erstellten wir einen Einladungsverteiler. Ich überlegte mir ein Format und eine grobe, inhaltliche Struktur. Alle zwei Wochen würden wir für ca. eine Stunde drei Monate lang virtuell in Form eines Runden Tisches per MS Teams zusammenkommen und uns zu vorab festgelegten Themen austauschen. Hierfür wollte ich für jeden Termin Expert*innen aus den eigenen Kreisen aber auch von angrenzenden Bereichen einladen. Neben der Vernetzung war das Ziel, sich neue Kenntnisse anzueignen, die Erfahrungen der anderen Teilnehmer*innen kennenzulernen, best practices zu teilen und Fakten und Informationen auszutauschen.

Im ersten Schritt galt es, Themen für die jeweiligen Treffen zu finden. Nachfolgend die Auswahl, die wir gemeinsam abgestimmt haben:

  • Besucherlenkung
  • Neue Ansätze bei Stadtführungen
  • Digitalisierung in den Innenstädten
  • Naturnahe Städte
  • Zielgruppe Radler

Aus eigener Initiative habe ich bei den letzten beiden Terminen noch das Thema Netzwerke und Vernetzung sowie „Reisen für Alle“ hinzugenommen.

Der Startschuss des ersten Runden Tisches war der 14. April 2021. Ich war ganz schön aufgeregt, weil ich nicht einschätzen konnte, wie diese neue Plattform ankommt und noch nie so eine große Runde moderiert hatte. Auch war ich da noch keine Expertin im Bereich Städtetourismus – mittlerweile habe ich ganz schön viel dazugelernt!

Screenshot vom "Runden Tisch"
Screenshot vom "Runden Tisch"

Insgesamt nahmen bei den sieben Veranstaltungen zwischen 25 und 45 Vertreter*innen von Städtedestinationen aus ganz Bayern teil; einige Teilnehmer*innen loggten sich sogar jedes Mal ein. Für mich waren es viele bekannte Gesichter, aber auch ganz viele neue. Gemeinsam konnten wir den Städtetourismus von unterschiedlichen Seiten betrachten und diskutieren. Externe Gäste wie Georg Reichlmayr vom Bundesverband der Gästeführer in Deutschland, Franz Müller vom StMWi (Referat 34, Handel, Dienstleistung, Freie Berufe) oder Petra Husemann-Roew vom ADFC Bayern e.V. trugen mit ihrem Expertenwissen bei. Viele bayerische Partner*innen teilten anhand von best practices ihre Erfahrungen und Kontakte. Dabei sind mir z.B. der digital erweiterte Stadtspaziergang „Walk of Richard Wagner“ in Bayreuth oder die Aktion „Tag der offenen Gartentür” in Dingolfing-Landau in Erinnerung geblieben. Der Hinweis vom ADFC Bayern, bei der Beschilderung auch darauf zu achten, dass Radelnde wieder in die richtige Himmelsrichtung aus der Stadt rausfinden, musste ich innerlich schmunzeln, denn es ist mir auch schon ein paarmal passiert, dass ich mitten auf dem Marktplatz stand und nicht wusste, wohin 🙂

Mich erreichten immer wieder positive Rückmeldungen der Teilnehmer*innen. Sowohl die Städterunde als auch weitere, neue Formate der BayTM – wie die Knowledge Breaks – seien für „die Touristiker an der Basis eine tolle Bereicherung und eine gute Gelegenheit zum Austausch“. Die Destination Burghausen hatte sich bereits auf den Weg zur „Digitalen Einkaufsstadt Bayerns“ gemacht. Nach dem Runden Tisch „Digitale Angebote & Erlebnisse“, bei der Franz Müller vom StMWi (Referat 34) über Förderprojekte für Städte berichtete und nachher als Ansprechpartner zur Verfügung stand, konnten seitens Burghausen noch Fragen geklärt werden. Im Anschluss an den Runden Tisch zum Thema „Reisen für Alle“, bei dem eine Vertreterin der Erlebniswelt Bremerhaven über die Erfahrungen hin zur ersten deutschen Barrierefreien Stadt berichtete, kam ein Teilnehmer auf uns zu. Er bat um einen Folgetermin vor Ort, um im Zusammenspiel mit dem lokalen Stadtrat, City Manager und unserer Kollegin Monica Tetzner dieses Thema weiter zu beleuchten.

Aufgrund der vielen positiven Feedbacks habe ich schon früh bei meiner Bereichsleiterin Helena Götze darum gebeten, diese Austauschrunde in ein richtiges Netzwerk zu überführen. Und das wollen wir tun!

Was ist ein richtiges Netzwerk eigentlich?

Dazu hat uns der Netzwerk-Experte Dieter Bensmann von bensmann networks bei unserem vorletzten Treffen beim Runden Tisch Einblicke in die Organisationsform Netzwerke gegeben.

Ziele, Vertrauen, Unterschiedlichkeit und Tausch sind die grundlegenden Elemente für aktive und erfolgreiche Netzwerke. Unter Unterschiedlichkeit versteht man, dass die Netzwerke unbedingt heterogen besetzt sein sollten, damit man andere Sichtweisen und Erfahrungen auch aus auf den ersten Blick fachfremden Bereichen kennenlernt. Tausch bedeutet, dass alle Teilnehmenden aktiv im Netzwerk partizipieren und ihre Erfahrungen teilen und Meinungen offen sagen können, damit man gemeinsam „ins Tun“ kommt und aus dem Netzwerk Aktionen entstehen, die für alle einen Nutzen bringen. Das könnte z. B. ein kleineres Pilotprojekt mit drei oder vier Destinationen sein, das nach erfolgreicher Umsetzung auf weitere Destinationen ausgerollt wird. Für diese Art der Zusammenarbeit braucht es definitiv auch Ziele und Vertrauen!

Mit den vier Elementen im Visier hatte ich mit der Moderationsmethode Soziometrie eine kleine Umfrage bei den Teilnehmenden gestartet. Die Soziometrie kommt aus der Sozialpsychologie und ist eine empirische Erhebungsmethode, um innerhalb einer definierten Gruppe zu einer bestimmten Frage bestehende Zu- oder Abneigungen zu ermitteln. Persönlich und parallel über den Chat stellte ich folgende Frage:

Stellen Sie sich vor, wir bauen gemeinsam ein „Netzwerk Städtetourismus in Bayern“ auf mit dem Grundverständnis der o. g. vier Elemente, was denken Sie dazu? (10 bedeutet: das finde ich super, weil…, 1 bedeutet: ich bin skeptisch, weil…)

Kritisch wurde vor allem der Zeitfaktor gesehen. Insgesamt hat die Mehrheit der Teilnehmer*innen aber eine Antwort zwischen 5 und 10 gegeben. Das hat mich sehr gefreut, denn es bedeutet, dass das Interesse zum Aufbau eines Netzwerkes im o. g. Sinne bei den meisten besteht. Die Teilnehmer*innen erachteten das Netzwerken als wichtig und sprachen sich für eine Öffnung und gegen ein Kirchturmdenken aus. Netzwerke geben neue Impulse und Inputs und ermöglichen neue Kooperationen oder „Neben-Netzwerke“.

Genau das ist es, wo für mich die Reise bei dem neu zu gründenden Netzwerk Städtetourismus in Bayern hingehen soll. Mit den Partnern aus dem Bereich Städtetourismus sowie angrenzenden Bereichen und Themenfeldern wie Kultur, Architektur, Shopping, Forschung etc. möchte ich einen Netzwerkknoten für dieses spannende Thema aufbauen und freue mich darauf, dieses zu moderieren. Wer Interesse hat, dabei zu sein, kann sich sehr gerne bei mir unter mitchell@bayern.info melden!