Hommage an unsere Tourismusheld*innen

Kaum jemand kennt sie, die Helden und Heldinnen, die mit Ideen, Tatkraft und Optimismus den Tourismus  nach vorne bringen. Schade, fand der Tourismus Oberbayern München e. V. – und startete eine Kampagne,  um seine Tourismusheld*innen zu würdigen. Und damit die ganze Branche zu motivieren

Tannerhof, Bayerischzell. Die Alpenregion Tegernsee Schlierseee nominierte das 1905 gegründete Hotel, einen Familienbetrieb, der von Burgi von Mengershausen und Ihrem Mann Roger Brandes geführt wird. Der Tannerhof verbindet Hotellerie mit Kulinarik und Gesundheitstourismus. Er steht ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit und Einklang mit der Natur © Oberbayern – Norman Bielig

Angefangen hatte es in Coronazeiten. Mit dem Wunsch, die Heldinnen und Helden der heimischen  Tourismusbranche zu ehren. Diejenigen Menschen auszuzeichnen, die nicht aufgaben. Die allen  Schwierigkeiten, allen Ängsten und Unwägbarkeiten zum Trotze weitermachten und dabei Tatkraft  zeigten, optimistisch blieben und zukunftsträchtige Ideen entwickelten. Gleichzeitig wollte man aber  auch etwas für die Tourismusakzeptanz tun. Wollte für die Branche begeistern, ihren  Facettenreichtum zeigen, Impulse setzen – dies auch im Hinblick auf den damals bereits  grassierenden Fach- und Arbeitskräftemangel.

Also rief der Tourismus Oberbayern München e. V. (TOM) Anfang 2021 die Kampagne „Tourismushelden Oberbayern“ ins Leben. Ziel der Kampagne war es, die Geschichte engagierter und kreativer Akteur*innen zu erzählen, die sich für die  oberbayerische Reisebranche engagierten – und die damit die ganze Vielfalt, den Schwung und die  Zukunftsfähigkeit dieses für Oberbayern so wichtigen Wirtschaftszweigs zum Ausdruck brachten.

Heute, zwei Jahre später, läuft das Projekt „Tourismushelden Oberbayern“ immer noch, denn es hat  sich über Corona hinaus als äußerst sinnstiftend erwiesen. 38 vorbildliche Akteur*innen werden  aktuell auf der TOM-Website präsentiert, erzählen in Wort, Bild und neuerdings auch in einigen eigens produzierten Videos, was sie tun, woran sie glauben, was sie an Oberbayern lieben.  Gästeführer*innen, die gut zwischen den Bedürfnissen von Besuchenden und Anwohnenden  vermitteln können, sind ebenso vertreten wie Hotels, die im Umweltschutz und bei der Schonung von Ressourcen Vorbildliches leisten. Und – innerhalb der Branche stark beachtet – eine Reihe von  Teams und Betrieben, die durch besondere Wertschätzung ihrer Angestellten, Auszubildenden und Hilfskräfte aufgefallen sind. „Wir brauchten damals etwas, um die Leistungsträger zu motivieren, und so beschlossen wir, dem oberbayerischen Tourismus ein Gesicht zu geben“, sagt Sarah Lulay,  Projektmanagerin Kommunikation & Marketing bei TOM.

„Mit der Kampagne zeigen wir aber auch, dass es viele engagierte Menschen sind, die wichtige Zukunftsimpulse setzen und für die immense Wertschöpfung in der Tourismuswirtschaft sorgen. Wir sprechen also nicht nur die Menschen an, die bereits im Tourismus arbeiten, sondern auch die Einheimischen. Und alle, die sich eine berufliche Zukunft in dieser spannenden und vielfältigen Branche vorstellen können.“

Dass der Held*innen-Idee eine mitreißende Kraft innewohnte, stellte sich bereits beim ersten Workshop heraus, in dem das Projekt diskutiert wurde. Lulay: „Die Kolleginnen und Kollegen waren sofort begeistert, jeder hat aus dem Nähkästchen geplaudert.“ Evi Krinner von der Alpenregion Tegernsee Schliersee etwa schilderte die Aktion von „Elisabeth’s Platzerl“, dessen Inhaberin vor dem Haus in Miesbach  Kühlschränke aufstellte mit Gerichten zum Abholen. Ingrid Dietl aus Bad Tölz berichtete vom  „verrücktesten Adventskalender der Welt“, wie Initiator Axel Berger die digitale Bilderschau unter  der Isarbrücke nannte, die Künstler*innen kleine Aufträge und der Stadt bunte Momente bescherte.  Der Starnberger Klaus Götzl stellte die Aktion „Heimat schenken“ vor, bei der die Menschen für ihre  Lieben Gutscheine kaufen und sie mit Angeboten der Region StarnbergAmmersee beglücken konnten, vom Sisi-Dinner über ein Wellness-Wochenende bis zum Kettensägen-Bildhauerkurs.

Tourismusheld Axel Berger beim besprühen einer Wand mit Graffiti
Axel Berger, Isarwinkel. Nominiert, weil der Hochseilgartenbetreiber, Eventveranstalter und Graffitikünstler stets neue Projekte erfindet – zum Beispiel ein Künstlerkollektiv © Oberbayern – Norman Bielig
Hotel Plankl, Altötting. Nominiert von der Altöttinger Tourismusdirektorin – für das Herzblut, das hier in Teamentwicklung und Mitarbeiterfortbildung gesteckt wird © Oberbayern – Norman Bielig

Vom guten Start ermutigt, bat TOM die Tourismusfachleute aus den Städten, Landkreisen und  angeschlossenen Institutionen, weitere Vorschläge einzureichen. Als hätten alle auf solch eine  Kampagne gewartet, gingen zahlreiche Meldungen ein. „Die Leute waren mit dem Herzen dabei“, sagt Sarah Lulay. Über die endgültige Auswahl der Tourismusheld*innen aus der Schar der  Nominierten entschied übrigens keine Jury. „Das war nicht nötig“, so Lulay. „Die Vorschläge  sprachen alle für sich.“

28 Tourismusheldinnen und -helden konnten im November 2021 auf der Tourismuswoche Oberbayern der Öffentlichkeit präsentiert werden – und bekamen viel Applaus. Ausgezeichnete  Vermittler*innen zwischen Gästen und Bereisten sind beispielsweise die „Auer Markt Strawanza“. Das Landratsamt Freising hatte die bunte Truppe aus der Hallertau nominiert. Streunende Schlawiner*innen, die in der Pandemie Online-Kochkurse und digitale Bierverkostungen anboten, im realen Leben durch musikalische Führungen, sportliche Radtouren und Ausflüge an geheime Orte Gäste glücklich machen. Durch Nachhaltigkeit und ihr Ökokonzept überzeugt der 1905 gegründete „Tannerhof“ in Bayrischzell, den Burgi von Mengershausen und Roger Brandes mit einem inzwischen 80-köpfigen Team weiterführen. Das Ärztepaar hat einen Ort geschaffen, der Hotellerie, Kulinarik und Gesundheitstourismus in intakter Natur verbindet.

Beim Stichwort Teambuilding und -motivation steht ein junges, im Kreis bayerischer Traditionsbetriebe ungewöhnliches Unternehmen auf dem Heldentreppchen, die „Mahavi Group“. Sie ist in Fürstenfeldbruck zu Hause, doch weit  darüber hinaus im Catering und Marketing sowie mit einer Personaldienstleistungsfirma aktiv. 2022 wurde sie als „Arbeitgeber des Jahres“ nominier. Vor allem wurde sie von den eigenen Mitarbeiter*innen bestens bewertet. Auch das Altöttinger Hotel Plankl überzeugte durch engagierte Teamentwicklung und -fortbildung.

Aktuell stellt die TOM-Website 38 Tourismusheld*innen der Region vor. Die Präsentation im Netz und in den sozialen Medien findet großen Anklang. Auch die Lokalpresse hat verschiedentlich berichtet. Die Idee, Hero*innen des Tourismus zu küren, hat inzwischen auch in anderen  Bundesländern überzeugt. In Sachsen sucht der dortige Landestourismusverband seit Sommer 2022  Tourismusheld*innen nach oberbayerischem Vorbild. In Baden-Württemberg hat die Tourismusmarketing GmbH eine Held*innen-Kampagne zusammen mit dem Arbeitsministerium und den Industrie- und Handelskammern gestartet.

Die ersten Kandidat*innen wurden Anfang 2022  geehrt, der Aufruf für 2023 ist online. Und in Brandenburg ist die Tourismusmarketing TMB auf  Held*innenpirsch. Nicht, dass man in Oberbayern inzwischen die Hände in den Schoß legen würde.  „Die Kampagne läuft weiter, wir suchen neue Helden“, freut sich Sarah Lulay. „Wir möchten die  Branche in ihrer ganzen Breite darstellen, speziell auch in Sachen Nachhaltigkeit. Dies als Ansporn für Leute, die nachhaltige Projekte entwickeln wollen, aber auch als Signal an Arbeitskräfte. Unser  Tourismus hat einfach viel zu bieten.“

Auer Markt Strawanza, Au. Nominiert vom Landratsamt Freising für ihr Engagement: Die fröhliche Truppe der Hallertauer Gästeführer*innen und ihre kreativen Angebote © Oberbayern – Norman Bielig